Fachkrankenhaus Vielbach

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Tiere in der Therapie

Tiergestützte, therapeutisch wirksame Aktivitäten im Fachkrankenhaus Vielbach 

Patient mit Hund

Rückblick - Einblick - Ausblick

Tiere haben im Fachkrankenhaus Vielbach einen besonders wirksamen, gesundheitsfördernden Einfluss auf unsere chronisch mehrfachbeeinträchtigten abhängigkeitskranken Patienten - das ist das Ergebnis einer ärztlich geleiteten Bewertung und Evaluation unserer 30jährigen Erfahrungen mit tiergestützten Aktivitäten in Vielbach.

Das Arbeiten mit Tieren, Gartenbau und Landschaftspflege öffnet Menschen einen direkten Zugang zur Natur mit „allen Sinnen“ - ein Ansatz, der im Fachkrankenhaus Vielbach eine lange Tradition hat. Pferde, Ziegen, Hühner, Gänse, Enten, Hasen, Vögel sowie Fische und Amphibien in Teichen und Aquarien gehörten von Anfang an zu unserer 15 Hektar großen Werk-/Bauernhof-ähnlichen Anlage. Die Tiere werden im Rahmen der Arbeitstherapie durch Patienten gepflegt und versorgt.

Wir wollen nun das gesundheitsfördernde Potential der Verbindung zwischen Menschen und Tieren zukünftig stärker gewinnbringend für die von uns behandelten Patienten zu nutzen. Diese Aktivitäten werden wissenschaftlich begleitet und ausgewertet.

Tiergestützte Therapie in der Rehabilitation von Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen

Auch unsere beiden Hafflinger und das Pony Susi ...

Die Beziehungen von Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen sind oft von Misstrauen – aufgrund problematischer, nicht selten missbräuchlicher Lebenserfahrungen – geprägt. Seelische und körperliche Verletzungen, ein Gefühl des (emotional) nicht angenommen Werdens haben dabei häufig die Entwicklung des Selbstwertes und der Beziehungsfähigkeit negativ beeinflusst. Bei der Arbeit mit Tieren wird genau diesen Ebenen der Beeinträchtigung begegnet und eine Möglichkeit eröffnet, eine angst- und barrierefreie emotionale Nachreifung zu vollziehen.

Tiergestützte therapeutische Angebote werden insbesondere auf den Ebenen der Arbeits- und Beschäftigungstherapie und der aktiven und kreativen Freizeitgestaltung in therapeutische Prozesse eingeflochten. Stets beleben Tiere die gesamte Klinikatmosphäre.

Gerade Suchtkranke finden oft leichter einen vertrauensvollen Zugang zu Tieren als zu therapeutischem Personal. Die Empathie und Wertschätzung, die ihnen Tiere vorbehaltlos entgegenbringen, wirken heilend auf das verunsicherte Selbst. Die verantwortliche Betreuung und Versorgung der ihnen anvertrauten

... werden von den Patienten liebevoll versorgt.

Tiere verhilft suchtkranken Patienten dazu, ihre oft übersteigerten Versorgungswünsche – zu deren Befriedigung sie nicht selten große Teile des Therapieteams in Unruhe versetzen – hinten anzustellen. Tiere haben im Gegensatz zu vielen Menschen den Vorteil, dass sie vorurteilsfrei an Menschen herantreten. Jede Person wird vom Tier so angenommen, wie sie ist, und vor die gleichen Anforderungen gestellt: "Streichel mich! Fütter mich! Spiel mit mir!" etc. Zudem haben Tiere für die meisten Personen einen viel höheren Aufforderungs- und Motivationscharakter als andere therapeutisch eingesetzte Mittel.

Die Ausschüttung von „Glückshormonen“ wie Oxytozin und Serotonin, die Menschen beim Streicheln eines Tieres erleben, ist gerade für Suchtkranke von besonderer Bedeutung. Diese haben entsprechende Gefühlszustände bisher vorrangig durch den Konsum psychotroper Substanzen versucht zu erlangen.

Die beschriebenen Wirkungen sind bei den Patienten in Vielbach, die z. B. ein Meerschweinchen (mit Käfig) auf ihrem Zimmer haben, den in der Tierbetreuung eingesetzten Patienten und denen, die z. B. mit den Pferden reiten in noch stärkerem Maße festzustellen.

Unsere Patienten, die Tiere betreuen, übernehmen (wieder, oft nach langer Zeit) Verantwortung, stehen schon früh morgens – auch am Wochenende - bei Wind und Wetter, im Freien, füttern und misten. Sie haben Freude daran und sie sind sich sicher:„Die Tiere brauchen mich!“

Außer den von Klinik eigenen Tieren gibt es auch Hunde im Besitz von Patienten auf dem Klinikgelände. Menschen des von uns versorgten Personenkreises halten besonders häufig Hunde. Ein Umstand, der sehr oft den Antritt einer notwendigen Therapie beeinträchtigt. Hierfür halten wir Hundehäuser vor; das Angebot wird intensiv genutzt.

Patient mit Meerschweinchen

Dies hat für entsprechende Patienten mehrere positive Auswirkungen: Sie können ihre Therapie quasi mit Hund machen; ihre (im Vergleich zur „nassen“ Phase) intensive Betreuung des Hundes fördert in hohem Maße die Zufriedenheit, erweitert den Kontakt zu Mitpatienten und steigert signifikant die Therapie-"Haltequote" dieser Patientengruppe.

Auch ihre Mitpatienten profitieren von den Hunden. Sie freuen sich darauf mit den Hunden spazieren gehen zu dürfen und mit diesen zu spielen. Sie erfahren, dass es außer der ihnen gut bekannten Sucht-Welt und der klinischen Abstinenz-Welt, eine für sie ganz leicht zugängliche Natur-Welt gibt, in der sie Freude und eine Aktivierung verschütteter Sinne erleben. Sie erfahren, wie leicht sie mit einem Tier Kontakt aufnehmen und in Resonanz gehen können und wie gut sie sich dadurch fühlen. Erlebte Freude, die anderen mitgeteilt und mit ihnen geteilt werden kann.

Wie viele Psychotherapiesitzungen wären nötig, um Patienten in vergleichbarer Weise die Tür zu diesen Erfahrens- und Gefühlswelten zu öffnen?

Patienten, die während der Therapie in Vielbach in Beziehung zu einem Tier getreten sind, berichten über erfahrene Veränderungen wie:

  • Reduktion von Unsicherheit, Angst und Anspannung
  • selteneren depressiven Stimmungen und Rückfallgedanken
  • Steigerung von Motivation und Selbstwertgefühl
  • Erlernen von Rücksicht und Mitgefühl
  • geringerer Aggressionsbereitschaft
  • Stärkung von Selbstbewusstsein und Vertrauen
  • dem Zulassen von Nähe.

Im Zusammensein mit den Tieren erleben die Patienten einen (neuen) Zugang zu den natürlichen Rhythmen des Lebens. Die Verlässlichkeit und Kontinuität der Tiere setzt jedoch auch im Verhalten des Patienten diese Eigenschaften voraus. Was den Patienten im Umgang mit Menschen häufig schwer fällt, gelingt in der Beziehung zu einem Tier wesentlich leichter. Somit erweitert der Patient seine „Gefühlsklaviatur“ und sein mitmenschliches Handlungsspektrum.

Die Versorgung der Ziegen übernehmen Patienten

Biographisch frühe Bindungs-, Kontakt- und Beziehungsstörungen korrespondieren mit der zunehmenden sozialen Isolation und interpersonellen Entfremdungsprozessen als Ausdruck der Suchterkrankung. Ängste und Verhaltensunsicherheiten im Kontakt- und Beziehungsverhalten zu anderen Menschen sind die Folge. Im Kontakt zu Tieren besteht ein Weg, wieder nüchtern und ohne Hemmungen und Ängste sich aus der inneren Isolation heraus zu entwickeln, um die Kontakt- und Beziehungskompetenz zu Menschen zu verbessern.

Um dauerhaft Wirkungen im Sinne einer Steigerung der Lebensqualität, Verbesserung von Fähigkeiten und Nutzung von Ressourcen der Patienten zu erzielen, werden die Begegnungen zwischen Mensch und Tier von uns nicht dem Zufall überlassen. Die Probleme von Allergikern sowie die Beachtung von ausreichenden hygienischen Standards haben wir stets im Blick.

Mit den aktuellen und den geplanten tiergestützten und therapeutisch wirksamen Aktivitäten befindet sich das Fachkrankenhaus Vielbach auf einem guten Weg zu einer wesentlichen Verbesserung der Therapiequalität und des Therapieerfolgs für eine Patientengruppe, deren Chancen auf eine erfolgreiche medizinische Rehabilitation unbedingt der Steigerung bedürfen.

Eine Präsentation zum Thema ‚Naturnahe Therapie‘ von Klinikleiter Joachim Jösch bei den Tübinger Suchttherapietagen am 25. März 2015 können Sie hier runterladen:

 

Tiere als Co-Therapeuten

Tiere als Co-Therapeuten

Pferd und Ziege als Co-Therapeuten

Tiere als Co-Therapeuten